![Zoom auf die Region Stuttgart im entwickelten Web-Portal [Bild: Bora Aslan] Zoom auf die Region Stuttgart im entwickelten Web-Portal](/fileadmin/Dateien/Allgemeine-Hochschuldaten/_processed_/1/c/csm_web-portal-zoom-ansicht-stuttgart_e4a5b5a38e.png)
Berichte über den Klimawandel gehören inzwischen zum Alltag. Nahezu täglich begegnen uns Schlagzeilen in Presse, Fernsehen und sozialen Medien – sie reichen von dramatischen Katastrophenszenarien bis hin zu der Behauptung, es gebe keinen Klimawandel. Dazwischen gehen nüchterne, verständliche Informationen oft unter. Für viele Menschen bleibt unklar, was wissenschaftlich belastbar ist – und vor allem, welche Auswirkungen das für die eigenen Region bedeutet.
![Berichterstattung zum Thema Klima [ChatGPT 5.2 / OpenAI] [Bild: ChatGPT 5.2 / OpenAI] Berichterstattung zum Thema Klima [ChatGPT 5.2 / OpenAI]](/fileadmin/Dateien/Allgemeine-Hochschuldaten/Microsites/wasserblog/images-posts/klimadaten-webportal/berichterstattung-klimawandel-openai.jpeg)
Gleichzeitig stehen heute so viele Klimadaten wie nie zuvor frei zur Verfügung. Öffentliche Institutionen wie zum Beispiel der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellen umfangreiche Messreihen als Open-Data bereit. Doch diese Daten sind meist technisch aufbereitet, tabellarisch organisiert und für Nicht-Fachleute schwer verständlich. Die Folge: Wissen ist vorhanden – kommt aber bei einem großen Teil der Gesellschaft nicht an.
![Open-Data-Beispiel des DWD (1-minütige historische Niederschlagsmessung der Station 20)) [Bild: Deutscher Wetterdienst] Open-Data-Beispiel des DWD (1-minütige historische Niederschlagsmessung der Station 20)](/fileadmin/Dateien/Allgemeine-Hochschuldaten/_processed_/6/7/csm_dwd-open-data-example_02e29ebe7e.png)
Veränderliche Klimarandbedingungen sind ein globales Phänomen, deren Auswirkungen sind jedoch lokal sehr unterschiedlich. Während auf internationaler Ebene über Mitteltemperaturen und globale Trends diskutiert wird, stellen sich viele Menschen andere Fragen:
Hat sich das Klima in meiner Stadt verändert? Gibt es bei uns mehr Hitzetage? Haben Starkregenereignisse zugenommen?
Genau hier setzt ein neues Klima- und Wetterinformationsportal an, das im Rahmen einer Bachelorarbeit an der HFT Stuttgart entwickelt wurde. Ziel des Portals ist es, den abstrakten Klimadiskurs auf eine lokale, nachvollziehbare Ebene zu bringen – und damit eine Lücke zwischen wissenschaftlichen Daten und gesellschaftlicher Wahrnehmung zu schließen.
![Beispiel einer Visualisierung: Betroffene Regionen der Starkregenkatastrophe im Juli 2021 [Bild: Geokomepetenzzentrum BKK /GeoBasis-DE /BKG] Beispiel einer Visualisierung: Betroffene Regionen der Starkregenkatastrophe im Juli 2021](/fileadmin/Dateien/Allgemeine-Hochschuldaten/_processed_/c/0/csm_bkk2021_betroffenen-regionen-strakregenereignis-2021_77e64da329.png)
Die Grundlage des Portals bilden ausschließlich frei verfügbare Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes. Diese Open-Data-Ansätze sind ein großer Gewinn für Transparenz und Nachvollziehbarkeit, entfalten ihren gesellschaftlichen Nutzen jedoch erst dann vollständig, wenn sie verständlich aufbereitet werden.
![Architekturskizze des Webportals [Bild: Bora Aslan] Architekturskizze des Webportals](/fileadmin/Dateien/Allgemeine-Hochschuldaten/_processed_/4/1/csm_architekturskizze-webportal_69d7f738d3.png)
Das entwickelte Webportal kombiniert deshalb Open Data mit Open-Source-Technologien und legt besonderen Wert auf Benutzerfreundlichkeit. Ohne fachliches Vorwissen können Nutzerinnen und Nutzer historische Wetter- und Klimadaten abrufen, filtern und visuell auswerten. Damit wird ein zentraler Anspruch der Arbeit umgesetzt: Klimadaten sollen nicht nur offen, sondern auch zugänglich sein.
Kern des Portals ist eine interaktive Karte Deutschlands. Mit wenigen Klicks lässt sich ein beliebiger Ort auswählen, woraufhin automatisch die Daten der nächstgelegenen Wetterstation angezeigt werden. Statt langer Tabellen werden Zeitreihen grafisch dargestellt – etwa zur Entwicklung von Temperatur oder Niederschlag über mehrere Jahrzehnte.
![Startseite des Web-Portals mit verfügbaren Messtationen [Bild: Bora Aslan] Startseite des Web-Portals mit verfügbaren Messtationen](/fileadmin/Dateien/Allgemeine-Hochschuldaten/_processed_/6/a/csm_web-portal-uebersicht_84454aa109.png)
So wird sichtbar, was im Alltag oft verborgen bleibt: schleichende Veränderungen, Trends und Verschiebungen, die man selbst kaum wahrnimmt, die aber für Wasserwirtschaft, Stadtentwicklung und Klimaanpassung von großer Bedeutung sind.
![Temperaturverlauf Stuttgart 1990 - 2025 [Bild: Bora Aslan] Temperaturverlauf Stuttgart 1990 - 2025](/fileadmin/Dateien/Allgemeine-Hochschuldaten/_processed_/b/7/csm_webportal-stuttgart-temperatur_0d5621a289.png)
Die Vorteile des entwickelten Webportals im Hinblick auf Information und Transparenz sind vielfältig, wie die nachfolgende Liste an beispielhaften Nutzungsmöglichkeiten zeigt:

Wie Prof. Michael Bach beim 3. Dialogforum Wasser betonte, leidet die Wasserwirtschaft oft unter ihrer Unsichtbarkeit – solange alles funktioniert, wird sie kaum wahrgenommen. Ähnlich verhält es sich mit dem Klimawandel: Seine Wirkungen entfalten sich langsam, statistisch und über lange Zeiträume.
Gerade für die Wasserwirtschaft sind daher lokal aufbereitete Klimadaten entscheidend. Veränderungen bei Niederschlag, Temperatur oder Extremereignissen wirken sich direkt auf Hochwasserrisiken, Trockenperioden und die Bewirtschaftung von Wasserressourcen aus. Das entwickelte Webportal leistet hier einen Beitrag, indem es diese Zusammenhänge verständlich macht.
Das aktuell umgesetzte Portal bildet zunächst die in der Bachelorarbeit definierten Klimaparameter ab. Eine Weiterentwicklung ist ausdrücklich vorgesehen: Weitere Abschlussarbeiten sollen zusätzliche Parameter, Analysefunktionen und Visualisierungen ergänzen. Perspektivisch ist zudem eine dauerhafte Online-Stellung über die Website der HFT Stuttgart geplant.
Wir wissen so viel, was wir tun müssten – und kommen dennoch nicht ins Tun.
Dieses häufig zitierte Spannungsfeld zeigt sich auch im Klimadiskurs. Werkzeuge wie dieses Webportal können helfen, Wissen greifbarer zu machen und die Distanz zwischen Daten, Wahrnehmung und Handeln zu verringern.
In einer Zeit, in der Wasser, Klima und gesellschaftliche Resilienz immer enger zusammenhängen, braucht es genau solche Ansätze: sachlich, lokal, offen zugänglich – und verständlich.
Ein großartiges Projekt, das genau an der richtigen Stelle ansetzt! Offene Daten (Open Data) sind eine wertvolle Ressource, aber oft nützen sie der Allgemeinheit wenig, wenn sie nur in komplexen Tabellen vorliegen.
Besonders den Ansatz, den abstrakten Klimawandel durch die interaktive Karte auf die lokale Ebene herunterzubrechen, finde ich genial. Es macht einen riesigen Unterschied, ob man von globalen 1,5 Grad Erwärmung hört oder schwarz auf weiß sieht, wie sich die Hitzetage oder der Niederschlag direkt vor der eigenen Haustür in den letzten 30 Jahren verändert haben. Das schafft genau die Betroffenheit und das Verständnis, das wir für echte Veränderungen brauchen.
Ich hoffe sehr, dass das Portal bald dauerhaft online verfügbar ist – gerade für Schulen oder die lokale Kommunalpolitik wäre das ein extrem mächtiges Werkzeug. Viel Erfolg bei der Weiterentwicklung!